UNSERE TIERHEIME SIND VOLL, WARUM MÜSST IHR NOCH MEHR TIERE HOLEN?
UNSERE TIERHEIME SIND VOLL, WARUM MÜSST IHR NOCH MEHR TIERE HOLEN?
Wir wissen um die teilweise problematischen Situationen in deutschen Tierheimen und haben unter anderem auch deshalb unsere Vermittlungen in den Jahren 2022/2023 zeitweise komplett pausiert. Dennoch greift die Aussage, Auslandstierschutz sei die Ursache für volle Tierheime, zu kurz. Sie basiert häufig auf einer Pauschalisierung und wird der Komplexität des Themas nicht gerecht.
Durch den Austausch mit Tierheimen in ganz Deutschland erhalten wir einen realistischen Einblick in die unterschiedlichen Situationen vor Ort. Während manche Einrichtungen an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, nehmen andere auch weiterhin Tiere aus anderen europäischen Ländern zur Weitervermittlung auf. Die Behauptung, dass Tiere aus dem Ausland einheimischen Tieren den Platz wegnehmen, entbehrt jeder differenzierten Betrachtung der Sachlage.
Vor allem aber sind die Gründe, warum Tiere in deutschen Tierheimen landen, vielfältig. Dazu zählen unüberlegte Anschaffungen, mangelnde Sachkenntnis, Überforderung der Halter*innen, Trennungen oder Todesfälle. Aber auch behördliche Beschlagnahmungen, Animal-Hoarding-Fälle, sowie Tiere aus unkontrollierter oder privater Vermehrung tragen dazu bei. In Deutschland können Tier vergleichsweise unkompliziert vermehrt und privat verkauft werden, da es keine strengen Regulierungen gibt. Neben ungeplanten Würfen oder sogenannten Hobbyvermehrungen, bei denen die Gesundheit und das Wesen der Tiere oft eine zweitrangige Rolle spielt, fehlt ebenso die langfristige Verantwortung für diese Tiere seitens der Verkäufer*innen. Die Auslastung der Tierheime auf den Auslandstierschutz zu reduzieren, greift daher deutlich zu kurz.
Hinzu kommt, dass Hunde nicht einfach austauschbar sind. In deutschen Tierheimen findet man Hunde unterschiedlichster Herkunft, Rassen, Altersgruppen und Bedürfnissen. Menschen entscheiden sich bei der Adoption nicht zwischen einem „deutschen“ oder „rumänischen“ Hund, sondern suchen sich bestenfalls einen Hund aus, der zu ihrer Lebenssituation passt. Die Herkunft eines Hundes allein entscheidet daher weder über seine Vermittlungschancen noch über die Auslastung der Tierheime.
Gleichzeitig sehen wir auch im Auslandstierschutz eine große Verantwortung. Werden Tiere ohne sorgfältige Auswahl, fundierte Einschätzung, intensive Beratung und langfristige Begleitung vermittelt, besteht das Risiko, dass sie später in deutschen Tierheimen landen – insbesondere dann, wenn sich der ursprünglich vermittelnde Verein nach der Adoption nicht mehr verantwortlich fühlt. Mit großer Sorge betrachten wir daher Vermittlungen, bei denen weder eine fundierte Einschätzung der Tiere noch eine umfassende Beratung der Adoptant*innen erfolgt oder bei denen die Bereitschaft fehlt, auch über die Vermittlung hinaus Verantwortung für das Tier und seine Familie zu übernehmen.
Wir verfolgen bewusst einen anderen Ansatz. Durch die enge Zusammenarbeit mit unserem Partnertierheim in Rumänien, eine transparente Vermittlung sowie die sorgfältige Vorbereitung jedes einzelnen Hundes möchten wir das Risiko von Rückgaben von Anfang an so gering wie möglich halten. Deshalb kommen unsere Hunde vor ihrer endgültigen Vermittlung grundsätzlich auf eine Pflegestelle. Dort können sie im häuslichen Umfeld beobachtet und realistisch eingeschätzt werden, sodass wir ihre Bedürfnisse und ihr Verhalten noch besser mit den passenden Adoptant*innen abgleichen können. Sollte es wider Erwarten dennoch zu einer Abgabe kommen, übernehmen wir als Verein ausnahmslos die Verantwortung, von der Rücknahme bis hin zur erneuten Vermittlung.
Für uns ist daher nicht entscheidend, aus welchem Land ein Hund stammt. Entscheidend ist, dass er verantwortungsvoll vermittelt wird und der vermittelnde Verein auch nach der Vermittlung Verantwortung übernimmt. So werden Hunde nicht zu einer zusätzlichen Belastung für Tierheime, sondern erhalten die Chance auf ein dauerhaftes Zuhause und wir finden: Jedes einzelne Leben zählt.

