Über das Ausbrennen im Tierschutz

Heute hat uns der Druck nicht genug zu tun etwas erdrückt und musste mal raus. Ein ehrlicher Blick hinter die Kulissen, denn wir wissen, dass es so vielen so geht, die aktiv auf Tierleid aufmerksam machen, sich damit wie auch immer auseinandersetzen.
Manchmal fühlt sich alles so zäh an. Angefangen bei Social Media: Man gibt sich so viel Mühe, schneidet stundenlang Reels oder zermürbt sich den Kopf über Zeilen, die man schreibt. Und das, damit diese kaum gesehen werden. Und ja natürlich ist Social Media nicht alles, aber oft der einfachste Weg um potenziell viele Menschen zu erreichen.
Wie kann man Menschen für Tierschutz begeistern?
Was bewegt die Welt? Wie bewegen wir die Welt, damit nicht-menschliche Wesen endlich gesehen und gehört und als Individuen behandelt werden?
Der Druck, der hier entsteht, den ich mir mache zerdrückt mich. Ich muss abliefern, denn Tiere werden immer noch wie Dreck behandelt. Ich will darüber informieren und Menschen berühren, damit sich z.B. jemand für ein Tier aus dem Tierschutz ent-scheidet, statt tausende Euros woanders auszugeben.
Ich sehe die Hunde aus unserem Partnertierheim älter und älter werden, ich muss mehr tun, um ihnen zu helfen, damit sie vielleicht doch nochmal Zwinger gegen Zuhause tauschen dürfen. Wenn mehr Menschen nur ein bisschen aus ihrer Komfort-zone herauskommen würden, könnte sich so viel verändern.
Doch wie schaffen wir das?
Wie können wir Leute begeistern? Manchmal fühlt sich alles so zäh an. Tierleid ist für mich immer da und somit auch Tierschutz. Ich sehe tote Tiere an jeder Kasse im Supermarkt.
Egal welche App ich öffne, so viele Seelen die warten, und trotzdem wird mir bei Kleinanzeigen direkt wieder der neuste „Ausversehen-Wurf“ angezeigt. Wir wissen, dass es vielen Menschen so oder so ähnlich ergeht, die sich aktiv für Tiere einsetzen.
Die sich ausgebrannt und unter permanenten Druck fühlen, aber warum ist das so?
Das Gefühl der Endlosigkeit
Wer im Tierschutz hilft, kämpft gegen ein scheinbar unendliches Problem. Für jedes gerettete Tier warten gefühlt zehn weitere auf Hilfe. Das führt zu einer dauerhaften Überforderung: Egal, wie viel man gibt, es ist nie genug. Das Gefühl, trotz unermüdlichen Einsatzes kaum etwas am Gesamtsystem zu verändern, erzeugt auf Dauer eine tief sitzende Ohnmacht.
Dauererreichbarkeit
Tiere kennen keinen Feierabend und kein Wochenende. Ein Notfall fragt nicht nach der Uhrzeit. Da jedes Zögern über Leben, Tod oder Leid eines Lebewesens entscheiden kann, ist die Hemmschwelle extrem hoch, Nein zu sagen. Die Grenzen zwischen Privatleben und Engagement verschwimmen völlig. Regeneration und Erholung werden fälschlicherweise als „Egoismus“ empfunden.
Mitmenschen
Tierschutz bedeutet ständige Konfrontation mit der Gleichgültigkeit, Ignoranz oder Grausamkeit anderer Menschen. Ob Massentierhaltung, Zucht, Aussetzen oder unbedachter Konsum – Tierschützer*innen stehen täglich vor dem Unverständnis der Gesellschaft. Das schürt nicht nur eine Form von Dauer-Wut und Enttäuschung, sondern führt oft zu sozialer Isolation. Man fühlt sich fremd in einer Welt, die das Leid anderer Lebewesen so leicht ausblendet.
„Helfer-Syndrom“ & Schuldgefühle
Viele Aktivist*innen laden sich die Verantwortung für das globale Tierleid auf die eigenen Schultern. Sie verwechseln Mitgefühl mit einer persönlichen Pflicht, alles zu reparieren. Pausen, Urlaub oder schlicht Zeit für sich selbst lösen schwere Schuldgefühle aus („Während ich mich entspanne, leidet woanders ein Tier“). Das kann in einen Teufelskreis führen, in dem die eigenen Grundbedürfnisse so lange ignoriert werden, bis der Körper und die Psyche streiken.
Und das geht an alle raus, die sich in diesem Post wiedergefunden haben:
Es ist okay durchzuatmen, bzw. sogar mehr als okay. Es ist auch okay das Handy mal wegzulegen. Grenzen ziehen ist so so wichtig! Aktivist*in zu sein ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Und wir werden noch gebraucht.
Danke, dass du hinschaust und nicht aufgibst.
– Julia

