FINA

†28.08.2025

Wenn wir diese Zeilen schreiben, wird es erst so richtig real, dann fühlt es sich an, als wenn es für die Ewigkeit ist. Sie aber nicht zu schreiben und uns nicht auch nochmal hier von Fina ganz offiziell zu verabschieden fühlt sich genau so falsch an. Was wir gerade fühlen ist schwer in Worten zu fassen. Die letzte Woche waren wir fast täglich mit Fina in der Klinik, haben ihr Zuhause Infusionen gegeben, Tag und Nacht gekämpft, aber am Ende leider verloren. Fina hatte bereits seit letztem Jahr Oktober eine chronische Niereninsuffizienz, wir stellten sofort ihr Futter um, kochten für sie und begleiteten sie mit engmaschigen Gesundheitskontrollen. Trotzdem lässt sich eine Niereninsuffizienz nicht aufhalten oder heilen. Am Abend des 28.08. mussten wir sie aufgrund von Nierenversagen gehen lassen. Die Lücke die sie hinterlässt können wir nicht mal annähernd in Worte fassen.

Fina ist der eigentliche Grund, warum es diesen Verein überhaupt gibt.

Anfang 2016 wurde sie in der Nähe unseres Partnertierheims HAR entdeckt, vor einem kleinen Lebensmittelgeschäft nach Futter bettelnd. Da sie dort nicht erwünscht war, das Geschäft direkt an der Bundesstraße lag und sie zudem sehr zutraulich war, zog sie ins Tierheim. Doch Fina wäre nicht Fina, hätte sie sich damit zufrieden gegeben: Sie überwand den wirklich hohen Zaun des Tierheims und kehrte schnurstracks zu „ihrem“ Laden zurück. Nach einem weiteren Fluchtversuch, der diesmal beobachtet und abgebrochen wurde, durfte die kleine „independent woman“ fortan das Privileg des Lebens im Tierheimhaus genießen. Von da an machte sie keine Anstalten mehr, auszubrechen.

Lasst diese Vorgeschichte der Anstoß des Kiesels sein, der sich langsam in Bewegung setzte. Als Julia im Sommer 2016 Fina’s Inserat fand, war das der zweite Kieselstein, der angestupst wurde. Keine 3 Monate später stand Julia bei HAR um Fina persönlich abzuholen und das Shelter kennenzulernen. Ihr könnt euch vermutlich schon denken, in welche Richtung sich das Bild des Kieselsteins entwickelt. Es folgten erste Tage, Wochen, Monate und Jahre in Berlin. Nach Fina folgte Finch, folgten Luni und Max, folgte die Gründung von CATDOG e.V., folgten unzählige Aufenthalte in Rumänien bei HAR, engagierte Mitstreiter*innen, Freundschaften fürs Leben, hunderte von Hunden und Katzen, denen ein neues Leben ermöglicht wurde. Aus dem rollenden Kieselstein ist eine Lawine geworden. Eine wunderbare, fruchtvolle, kräftezehrende und kräftegebende Lawine. Am Donnerstag der letzten Woche ist das ausschlaggebendste Kieselsteinchen, welches die Lawine losgelöst hat, zum Stehen gekommen.

Als Fina im Sommer 2016 nach Deutschland zu Julia kam, war der Gedanke ihr noch ein, zwei schöne Jahre schenken zu können. Daraus sind nun insgesamt 9 Jahre geworden und laut Pass hat Fina fast 21 Jahre gelebt. Sie kam als Seniorin, aber war fast bis zur letzen Stunde voller Leben. Wir sind für jeden einzelnen Tag mit ihr dankbar und der Schmerz wird wohl noch sehr lange sehr präsent sein.

Es gibt manchmal Persönlichkeiten im Leben (und in diesem Fall meinen wir explizit eine tierische Persönlichkeit), die so einen maßgeblichen Einfluss auf das Leben von Zwei- und Vierbeinern haben, dass einem dieser Einfluss erst mit der Zeit und etwas Abstand bewusst wird. Und genau dieses Bild steht nicht nur für Fina’s Einfluss auf uns, ihr Umfeld, sondern auch für sie als Persönlichkeit. Fina war und ist unser Paradebeispiel für den Gegenentwurf des sonst oft so hysterisch verschrieenen „Tierschutzhundes“. Fina hebelte jedes Vorurteil mit einer ihr innehabenden Ruhe und Selbstverständlichkeit aus. Je mehr wir uns fortbilden, je mehr Seminare wir besuchen und je mehr Hunde und Hundegruppen wir kennenlernen dürfen, desto klarer wird und wurde uns wie besonders Fina war. Sie hatte so einen unglaublichen sanften, freundlichen, anmutigen und gleichzeitig ganz eigenen und sturen Charakter. Fina war unser Fels in der Brandung. Ihre klare Art zu kommunizieren machte sie zu einem unverzichtbaren Bindeglied in unserer Hundegruppe. Vielen Pflegehunden war sie das beste und mutigste Vorbild und half so nicht nur uns, sondern vor allem ihnen. Eine Autorität, wenn es angemessen war, eine starke Schulter, wenn sie benötigt wurde. Die Dame, die zwischen Welpen, Junghunden und Seniorinnen manövriert und auch gesundheitliche Rückschläge wegsteckt als wären sie nichts. Menschen, die Angst vor Hunden hatten lernten durch Fina zu vertrauen, selbst zu Kinder war sie durch und durch nett.

Vielleicht übertrugen wir diese ruhige Selbstverständlichkeit die Fina an den Tag legte auf ihr Alter, denn für uns kam ihr Tod nicht erwartet. Er war plötzlich, hart und einfach nur schmerzhaft. Und ja, auch wenn sie ein hohes Alter erreicht hat, ist das für uns kein Trost im Angesicht des enormen Verlusts. Was uns Trost spendet, ist die Gewissheit, dass die Erinnerungen, die Erkenntnisse und die Bewunderung für Fina unser Leben lang anhalten und wachsen werden. So einen Einfluss hatte Fina auf uns, auf jeden der CATDOG e.V. kennt und unterstützt, auf euch, die diesen Text lesen. Die Lawine rollt weiter…

Finuschki, Finata, Finchen, Isolde, du fehlst uns so unglaublich und es fühlt sich an als wäre ein Teil von uns mit dir gegangen. Du hast jeden einzelnen Tag hier auf Erden für uns bereichert. Wir hören noch immer deine Tippelgeräusche, dein Schnarchen, dein leises Gefiepe wenn du was vom Tisch willst. Wir hoffen dir geht es gut da wo bist, dass du Wellen hinterher jagst und in einem weichen Bettchen schläfst.

Danke für alles Fina <3

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